Eckhard Kruses Seiten
Physikalische Medialität
Untersuchung Physikalischer Medialität mit Hilfe akustischer Messungen
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Eine der wesentlichen Herausforderungen bei der Erforschung der Physikalischen Medialität besteht darin, dass viele Phänomen nur bei sehr schwachem Licht oder in absoluter Dunkelheit auftreten. Anstatt wie viele Psi-Forscher den Einsatz von Infrarot-Kameras quasi als Grundvoraussetzung für jegliche Forschung zu verlangen, wird hier ein anderer Ansatz gewählt, der auf Audioaufzeichnungen basiert. Mit einem geeigneten Mikrofonaufbau und entsprechender Signalverarbeitung ist es möglich, verschiedene interessante Informationen über die Geschehnisse in der Dunkelheit zu gewinnen.

Auf dieser Seite stelle ich Ergebnisse vor, wie in Séancen mit Warren Caylor akustische Ereignisse in der Dunkelheit lokalisiert und nachträglich visualisiert werden konnten.
Einige Ergebnisse von Stimmanalysen habe ich hier zusammengestellt.

Herzlichen Dank Warren Caylor und seinem Spirit Team für die Erlaubnis und Unterstützung dieser Untersuchungen! Vielen Dank auch an Lucius Werthmüller vom Basler Psi Verein, der mich auf das Thema der Physikalischen Medialität aufmerksam gemacht hat (immerhin klang das anfangs für mich alles völlig verrückt), mich mit einigen Medien bekannt gemacht hat und mit dem ich schon viele interessante Diskussionen über die Psi-Forschung führen konnte.

Einige weitere Betrachtungen über dieses "unglaubliche" Forschungsgebiet finden sich auch in meinem Artikel Physikalische Medialität - zu unglaublich? bei Mystica.tv bzw. im Psi-Info 01/2016 des Basler Psi-Vereins.

Audiolokalisation in Séancen mit Warren Caylor
Aufnahme April 2016 (im Home Circle):


Anmerkung: Die Mikrofone wurden anders, mit größerem Abstand angeordnet, um die Genauigkeit der Positionsberechnung zu erhöhen.

Aufnahme im Dezember 2015 (öffentliche Séance beim Basler Psi-Verein):




Bewegungen des Ektoplasmas / der 'voice box'
Nach (und manchmal auch vor) dem Erscheinen der Spirit-Stimmen ist gelegentlich ein kehliges Geräusch zu hören, das sich recht schnell bewegt. Hierbei handelt es sich mutmaßlich um Effekte der Ektoplasma-'Voice-box', welche die direkten Stimmen erzeugt. Während eines Home Circles hat Yellow Feather diesen Effekt kommentiert:

Eckhard, you may find the sound of the ectoplasm, when you plot it, your graph will change in height as it travels. That is because when it is extruded it goes up and then down to the floor. When it goes back, it comes back up off the floor into the air and back down towards the channel. So if you see some unusual changes in height from the sound of ectoplasm, that is why.

Hier also die Graphen der entsprechenden Bewegungen - soweit sie hörbar waren (Dauer jeweils ein bis zwei Sekunden). Die Pfeilspitzen zeigen die Bewegungsrichtung an.

Anmerkungen und technische Details
  • Die Animationen wurden erzeugt auf Basis von Audioaufnahmen der Séancen mit vier herkömmlichen Mikrofonen (an der Wand rot markiert).
  • Die Audio-Samplerate betrug 48 kHz (Aufnahmen 2015) bzw. 96 kHz (Aufnahmen 2016), gespeichert im Wav Rohformat, ohne Kompression, mit 24 Bit Auflösung, um den großen, schwer vorhersehbaren Dynamikbereich während der Séance abzudecken.
  • Um die Position der Klangquelle zu berechnen, werden Standard-Algorithmen aus der heutigen Audiosignalverarbeitungsforschung verwendet (GCC-PHAT bzw. eine Variation vor SRP-PHAT). Sie basieren auf der Zeitdifferenz, die der Klang benötigt, um die verschiedenen Mikrofonpositionen zu erreichen. Dabei gilt hier die vereinfachende Annahme, dass jeweils immer nur eine Klangquelle zu hören ist. Wenn z.B. mehrere Menschen sprechen, wird überlicherweise die lauteste Klangquelle verwendet (Klangquellen in Mikrofonnähe werden also entsprechend bevorzugt). Falsche Ergebnisse durch Überlagerung lassen sich typischerweise automatisch herausfiltern, da sie meist zu vereinzelten, gut identifizierbaren Ausreißern in der Messung führten.
  • Die verwendete Software habe ich selbst geschrieben (in Java), um so die speziellen Anforderungen für die Aufgabe zu berücksichtigen, wie z.B. die einfache Navigation in den mehrstündigen Audiodaten, die Visualisierung des Raumes, Export zu einer 3D-Software und Unterstützung weiterer, anderer Analysen, z.B. den Stimmvergleich. (Und natürlich ist es für einen Informatiker ein besonderer Spaß, mal einen 'Geisterstimmenlokalisator' zu programmieren - deutlich spannender als das, was sich in irgendwelchen App Stores findet.)
  • Die Animationen habe ich mit Cinema4D erstellt. Die Größe der Kugel zeigt die Audiolautstärke an. Die Daten werden in entsprechender Form aus der Analyse-Software exportiert. Die Stühle, das Kabinett usw. wurden zu Anschauungszwecken hinzugefügt, um so einen besseren Eindruck vom Raum zu erhalten. Die Bewegungen der Kamera wurden manuell vorgenommen, um die interessanten Bewegungen gut betrachten zu können und den Clip auch etwas abwechslungsreicher zu gestalten.
Fragen / Anmerkungen? Gerne eine E-Mail an:
Literatur
  • C. Knapp and G. Carter, The generalized correlation method for estimation of time delay. Acoustics, Speech and Signal Processing, IEEE Transactions, vol. 24, no. 4, pp. 320-376, 1976.
  • Jacob Benesty, Jingdong Chen, Yiteng Huang: Microphone Array Signal Processing, Springer, 2008
  • Sakari Tervo, Tapio Lokki: Interpolation Methods for the SPR-PHAT Algorithm. 11th International Workshop for Acoustic Echo and Noise Control (IWAENC 2008), Seattle, WA, USA, September 14-17, pp. Article ID 9037, 2008
  • Cha Zhang, Dinei Florencio, Zhengyou Zhang: Why Does PHAT Work Well in Low Noise, Reverberative Environments?. IEEE International Conference on Acoustics, Speech and Signal Processing, 2008